Oversea Notes

Die Begrenztheit der Worte

Worte im Grunde das Einzige, was der Held versteht. Worte, und die Körper, zu denen sie gehören, die Menschen und Stimmen, die Papiere und Bücher, die Köpfe, in denen sie gedacht werden, die Räume, in denen sie schallen und die Zeit, die sie benötigen, um zu sein. Der Held versteht sonst nichts von der Welt. Der Held versteht keine Zahlen, keine Bilder - Mathematik hat keine Bedeutung für ihn, weil er sie nicht versteht, wie eine fremde Sprache. Der Held versteht: Begrenzt in jeder Hinsicht ist das Reportoire, mit dem er die Welt erfassen kann: Die Anzahl der Worte, die ihm zur Verfügung stehen, die Anzahl der Worte, die er lesen wird in seinem Leben, die Anzahl der Worte, die er schreiben wird. Wenn er das letzte Wort wüsste, das er niederschreiben wird... Er würde es nicht vermeiden, um alles hinauszuzögern, er würde es wieder und wieder schreiben, um zu testen, wie oft er das Schicksal herausfordern kann, bis dieses ihn gelangweilt überzeugt, besser abzutreten.
Wie dem aus sei, aufgefallen jedenfalls: Trotz der Begrenztheit der Worte, anders als die der Zahlen, wo es ins plus, ins minus, ins nahe null und überall dazwischen ins Unendliche geht, findet sich doch eine erstaunliche Unendlichkeit in der Zusammensetzung der Worte, im Nebeneinanderstellen verschiedener Bedeutungen. Kreativität könnte man das nennen, und das ist die Gefahr und die Chance dessen, wenn die Mathemtik eine Grammatik bekommt: Programme.
Aber davon noch nichts... Noch sind wir im heroischen Zeitalter, haben gerade die Epoche unartikulierter Grunz- und Klicklaute überwunden, schwingen noch Waffen und sind weit von dem Schwachsinn, den die Zukunft sich ausdenkt, um irgendwann sagen zu können "schau mal damals, wie vormodern die waren", entfernt. Glückliche Nichtvollendung, Nichtvollendbarkeit.
Letztes Wort, letztes Wort, letztes Wort, letztes Wort... na sieh mal, der Held ist noch immer nicht hinüber... Da gibt es dann wieder was zu rekonstruieren, wenns denn so wäre - Futter für die Nachbardisziplinen der Sprache: Geschichte und Dichtung. Geschichte ist schon eher ein bisschen wie Mathematik. Allerdings werden die blanken Leerstellen nicht von weiteren Tagen und Daten gefüllt, sondern von Phantasie... Die Zeit zwischen den Jahren beispielsweise, die der Held verschollen galt. Insofern ist Geschichte, mal kreativ betrachtet, das erste Programm der Welt. Linearität zählbarer Einheiten (Tage, ganze Zahlen, alles eins), gespickt mit dem Dazwischen, das eine Grammtik braucht, um zu funktionieren.
...
(denkpause)
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Dem Helden ist es lieber, "funktionieren" hier nicht als letztes Wort stehen zu lassen. Nur für alle Fälle ein neues... Was sollte das sein... Was wäre das wichtigste Wort, zumindest das den herausgehobenen Platz des letzten Wortes haben sollte? Auch auf die Gefahr hin, sich zu wiederholen: Der Rest ist Schweigen.

7.1.07 07:49

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