Oversea Notes

Lady Transylvania und der Regen

Abriss der letzten Nächte: Draußen wird es dunkel, Alex versammelt die 50 eigenen kleinen Spaltpersonen vor dem Spiegel und bittet sie, doch heute mal zusammezuarbeiten, um recht schaurig auszusehen. Umgezogen in schwarz, painted black vom Scheitel bis zu sohle (naja, der Scheitel wird weiß gefärbt), in meterweise halbdurchsichtigem schwarzem Stoff, Handschuhe, wie es sich für tanssylvanisches Geblüt gehört, Augen und Lippen schwarz, in die Nacht getaucht - paradoxerweise Bus gefahren. Aber man lebt in der Moderne, da kommen Unstimmigkeiten schon mal vor. Versammelt kommt Dacula in Adams Morgan an, wo Piraten, Priester und Ghuls ihren Weg teilen werden. Das Übliche (reingehen, was zu trinken holen, rumstehen und reden, für outfit loben, tanzen, überlegen, wann der Bus kommt, verabschieden, rausgehen - die Gewöhnlichkeit sich ständig wiederholender Aktionen, die man in der Postmoderne "ausgehen - für Anfänger" nennt. Fortgeschrittene beenden den Abend nicht an dieser Stelle, sondern treffen neue Menschen, mit denen sie weiterziehen, mit denen sie nach Hause gehen, von Brücken springen oder Leute anzünden.) Dann: Der Schritt in die Nacht zurück, aus der gekommen, zurück in die wohlige schattige Umgebung des Ich, das sich darin auflösen kann.
Unstimmigkeiten der Moderne: Über den verpassten Bus geärgert. Dracula sollte einfach die Verwandlung in die Fledermaus beherrschen. Aber Perfektion ist von gestern. Bzw. von Fiktion. Durch die Nacht gelaufen, durch den Regen, der alles durchnässte, durch schwarzen Regen, der auf der Haut, in der Luft, in der Lunge war, der das Gesicht wieder lebendig wusch, die weiße Farbe weg, und als dann eine Stunde später angekommen, wieder unter den Lebenden weilend. Prinzipiell zumindest.
Die Nacht danach (gestern Nacht): Gleiches Prinzip, Variation. Diesmal keine Bar, sondern ein großes Haus, das Piano mit Spinnweben verkleidet, Raben auf dem Kamin und Beile unter die Kronleuchter gehängt. Erhängte Skelette an den Wänden. Riesig groß. Untote, Ghuls, Dämonen und Geister überall. Aber die können dem Helden nichts tun, heute Nacht gehört er zu ihnen. (Dann wieder das Übliche.) Dann: Schritt hinaus in die Nacht, Erlösung vom Zwang, ein Mensch zu sein, oder besser: sich so aufführen zu müssen. Irgendwann der Bus, die Reise zurück, durch die glitzernde Stadt (ein altes Wort, aber die Stadt glitzert jede Nacht neu, erleuchtet, Wegweiser im Dunkeln, ohne dass dafür jedes Mal neue Worte zu finden wären.)
Genug Geister vertrieden, wobei - jetzt wird geschlafen, lassen wir die Geister doch wieder herein. Morgen verziehen sie sich sowieso, wie der Nebel vor dem Haus.

29.10.06 15:21

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen