Oversea Notes

Der Name des Helden

Festgestellt: Der Held ist unbenannt. Was tun wir bloß damit... Da zeigt sich das Problem: Wählen wir einen weiblichen oder männlichen Namen? Um dem Dilemma aus dem Weg zu gehen, weiterhin vom Helden zu sprechen und ihn ab und zu Maria nennen zu müssen, wählen wir neutraleren Boden. Alex Quest - schließt nicht aus, dass es sich auch um eine Suchende handelt. Aber das ist schon fast wieder zu viel mit den Vorbildern gespielt.
Wir könnten uns auch einen Lady-Helden vorstellen, aber was tun damit, mit der Vergangenheit? Kann man eine andere Geschichte schreiben, kann man Geschichte verändern, selbst eine fiktive? Vielleicht, wenn man nur konsequent genug Dinge ändert? Aber mit der KOnsequenz hat es sowieso nicht so viel auf sich. Lücken im Gedächtnis, Lücken im Menschen, Lücken in der Welt. Wir versuchen sowieso zu sehr, sie mit Sinn zu füllen.
Dabei doch gerade eben in die zweite Falle menschlichen Handeln getappt, die sich hier auftut: Wenn man die Leere zwischen den Dingen nicht mit Sinn füllen kann oder will, ist man dennoch gezwungen, um der Glaubwürdigkeit willen - oder wenigstens, um nicht zugrunde zu gehen - das jetzige Handeln der Vergangenheit anzupassen. Die Vergangenhiet erfordert einen Helden. Und ich kann ihm nicht meinen Namen geben. Ich könnte die Geschichte ändern, die ich begonnen habe zu erzählen. Ich könnte eine Pseudo-Geschichte daraus machen, aber wo ist dann der Unterschied zu jetzt? Der Held ist Attrappe, aber ich kann ihn nicht ändern. Einmal benannt, und wenn auch nur umschrieben in seinen Handlungen, lässt er sich nicht wegdenken.
Wir kategorisieren das, wofür wir Namen haben, und wir tun es, weil wir Namen haben. Wir müssen die Schubladen benennen, in die wir unsere Welt teilen. Der Held sammelt Schubladen. Oder wir könnten sein Handeln auch anders nennen. Er vertauscht die Schilder der Schubladen und die Wegweiser. Aber vertaushcen kann er erst nur, weil er weiß, was darin ist, und weil er den konstruierten Sinn hinter der Schubladierung der Welt, der Welt durch Sprache verstanden hat. Er kann nichts ändern, was er nicht begreift, ohne wahllos zu sein. Falle. Begreifen udn Wahllosigkeit als Kategorien des Denkens. Wäre vielleicht besser, ohne Sprache geboren zu sein. Aber dann hätte es auch keinen Sinn, hier zu sein. Oder Namen zu tragen. Wir könnten irgendetwas verlauten lassen ohne uns zu verstehen. Uns verstehen. Auch eine Kategorie.
Die Äußerung mancher Personen doch wahr, dass die Dinge Wirklichkeit werden, wenn man sie ausspricht. Nicht, weil wir das Latente in Worte fassen und ans Tageslicht fördern - sondern weil wir denken, es muss schon was dran sein, wenn man sich bemüht, es in Worte zu fassen. Was andere denken, wird zu unserem Denken. Geteilte Bedeutung wird zu unserer Bedeutung. Haben uns daran gewöhnt, das Spiel um Anerkennung des Ich. Macht A. denken, es handelte sich kaum um eine Welt.
Aber dieser Zweifel an der Welt, weil klargeworden, dass es sich um konstruiert Kategorien handelt, wird nicht lange andauern können. Der Held wird sich darüber klar werden, dass er etwas zu verlieren hat. Konstrukt hin oder her, Wahrheit ist auch nur ein Konzept. In Dialog mit der Welt getreten ist er schon. Er kann sich den Namen nicht mehr abschreiben oder die Sprache verlieren. Entweder antwortet er und spielt nach den Regeln oder wenigstens mit den Regeln - aber dazu muss er sie verstanden haben - oder er vergisst, dass auch eine konstruierte Welt eine tatsächliche ist. Wert entsteht, wenn Menschen so tun als ob. Authentizität eine Kategorie, die nicht ihren letzten Ansprüchen gerecht wird. Aber immerhin einigen ihrer Schöpfer.

24.10.06 23:48

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