Oversea Notes

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Dichter sterben

Letztens hörte der Held einen Menschen sagen: "Ich dachte lange Zeit, ich würde ewig leben. Ich meine, schließlich bin ich Dichter und die sterben nicht so schnell, denn sie haben noch etwas zu schreiben, noch etwas zu tun auf dieser Welt. Gott lässt nicht zu, dass Dichter verfrüht sterben. Aber das war einie irrige Annahme, denn er meint es nicht gut mit den Dichtern. Wie kann er auch? Namen sollen wir den Dinge geben, die uns umgeben. Namen, mehr nicht. Kein Wunder, dass Dichter sterben. Es ist nicht vorgesehen, dass Dinge neu konstruiert werden, und das geschieht um einen Dichter herum recht schnell und unkontrollierbar. Kleine Produzenten von Chaos, wenn man das Nichtvorbestimmte so nenen will. Namen sollst du dem Vorhandenen geben, nicht erschaffen und alles durcheinanderbringen. Dichten kann der Mensch aus irgendeinem Grund, und dieser Fehler im System ist nicht aus der Welt zu schaffen. Kreativität durch Komplexität. Aber wer es tatsächlich wagt, mehr als zu bennenen, warum sollte der auch noch sein Schicksal selber schreiben können?"

3.12.06 04:49, kommentieren

Die größe der Welt gemessen an uns

Man fragt sich dann doch irgendwann, wo das alles enden soll, was man sich so an Leben und Träumen zurechtlegt im Laufe der Zeit, udn dann die Frage hinterhergeschickt, ob das mehr als nur eine Ansammlung von Bildern in einem Fotoalbum ist oder ob das auch eine Geschichte hat, Verbindungen, die dazwischen stehen. Ob man von sich überhaupt Geschichten erzählen kann oder doch bei den Fragmenten bleiben muss, wahrheitshalber. Die Erfindung der eigenen Geschichte. Überhaupt die Erfindung, eine eigene Geschichte zu haben. (Sicher stehen irgendwelche Literaten dahinter... Dichter sind Schuld an dem Unglück der Welt, weil sie einmal begonnen haben, Geschichten zu schreiben und das nennt sich dann nun allgemein 'die Geschichte' und dabei bemerkt niemand mehr, dass das ganze Schabernack gewesen ist.) Und dann die ganze Fragerei nach Gründen und Zielen im Leben, nach den Wendepunkten und nach den Momenten, in denen man sich hätte anders entscheiden können - so groß ist die Welt gar nicht. Wir messen dem Ganzen viel zu viel Bedeutung bei. Uns.

4.12.06 04:29, kommentieren

Der Held

Oh, irgendwie ist mir der Held abhanden gekommen...

4.12.06 04:34, kommentieren

Abwesenheit

Der Held hat heute Nacht sonderbar geträumt, von der Abwesenheit eines Menschen. Dabei wurde weder ein Name genannt noch ein Bild gesehen. Frage der Logik: Woher wissen können, welcher Mensch es war, und dass es tatsächlich so war? Vielleicht eine grammatische Antwort: Der Held kann im Konjunktiv träumen. Befremdlich ist das schon, das "Wäre" im "Wäre", die Illusion im Traum, das Bewusstsein der Illusion. oder ist Abwesenheit keine Illusion? - Er überlegt eine Weile, ob er wissen möchte, ob das etwas bedeutet, aber wahrscheinlich nicht, und dann wendet er sich wieder der Realität zu. Ja, die gibt es auch noch. Als ob man das immer wieder sagen müsste.

7.12.06 08:44, kommentieren

Wissen und Unwissenheit

Gestern hat der Held drei Taschen mit Büchern aus der Bibliothek nach Hause getragen und kam sich irgendwann lächerlich vor. Wozu das alles eignetlich, die ganzen Seiten, in die Menschen ihr Leben gesteckt haben, damit spätere Generationen aus diesen Seiten ihr Leben wieder hervorholen können? Wozu belasten die Menschen ihre neuralen Verknüpfungen mit all dem Wissen, Glauben und Blödsinn, der durch die Weltgeschichte geistert und neue Schädel sucht, die er verseuchen kann? Die angebliche geistige Überlegenheit, die man erhalten solle durch Lesen, Lernen, Verstehen, Reproduzieren, "neu" Erfinden, Erkenntnis und all das? Wozu diese Bücher nach Hause tragen, wenn Unwissenheit doch wie das glänzende Etwas am Ende des Tunnels erscheint? Klischee hin oder her, der Held geht tapfer weiter durch die Kälte, macht dann das Licht an, setzt sich hin und vertieft sich in die fremden Leben zuvor.

9 Kommentare 11.12.06 17:53, kommentieren

Vorweihnachtlich

Der Held hat festgestellt, dass er gar kein Held ist, sondern die gleichen Fehler macht, die er bei anderen verurteilt. Weihnachten zum Beispiel. Das Fest der Liebe, Familie blablabla... Mag sein, dass Weihnachten ein Datum ist, das irgendwie gesellschaftlich so verankert ist, dass es die einzige Chance ist, sich einmal im Jahr zusammen zu treffen. Das gilt zumindest für Familien, die weit vertreut leben und sich sonst nur sporadisch und einzeln sehen. Es wird nicht gearbeitet und der Wunsch, an diesem Datum bei der Familie zu sein, ist allgemein anerkannt. Sentimental wirds nur, wenn das Datum und die Tatsache, bei der Familie zu sein, allein stehen bleibt, ohne Hintergrund, nur so, weil es alle machen, und um den Schein zu wahren, auch sich selbst gegenüber. Nun, der Held war auch sentimental, auf eine gewisse Weise. Das hat nichts mit Weihnachten zu tun, sondern mit dem Wunsch, glücklich zu sein. Menschen tun dafür allerhand, für das Gefühl, glücklich zu sein. Verstellen sich, täuschen sich, binden sich. Der Held hat entschieden, dass das kein Preis mehr ist, den er zahlen möchte. Lieber frei und dann ab und zu ehrlich glücklich. Aber er hat auch gesehen, dass er die Menschen, die er für ihre "Weihnachlichkeit" im weitesten Sinne verurteilt, versteht.

18.12.06 04:43, kommentieren