Oversea Notes

The Monkey

Irgendwie findet jeder im Laufe seines Lebens seine kleine persönliche Verdammnis, ein Nicht-Entkommen, oder klassisch villeicht Schicksal genannt. Diesen kleinen buntgekleideten und schellengeschmückten Affen auf der Schulter, mit dem man herumläuft ohne ihn selbst zu sehen. Warum sehen ihn nur die anderen? Warum beurteilen sie einen nach etwas, das man nicht mehr sieht, das man aufgehört hat zu beachten, an das man sich gewöhnt hat? Das Äffchen, das unsichtbar geworden ist, einem aber die Wege einflüstert, die man dann geht, ohne sie wirklich nehmen zu wollen. Oder ist das keine Frage des Willens mehr? Wenn es lang genug dort sitzt und man sich nicht mehr fragt, ob die eingeflüsterten Wege richtig sind, wenn man sich aufhört, gegen seine Kreaturen zu wehren, gegen den selbsteingepflanzten Wahnsinn? Ist das alles nur Schattenspiel, eine Marionette des Ich, die man aus Langeweile erschafft? Wann wird die Maskerade Wirklichkeit?
Die Frage nach dem Wahnsinn, den man sich selbst erschafft, eigentlich in vollem Bewusstsein, wenn man ehrlich ist; vielleicht weil es auf Dauer nicht möglich ist, unschuldig und kindlich zu bleiben. Wie sinnvoll ist es zu fragen, ob das nötig ist, um menschlich zu werden – ob es notwendig ist, ein Schicksal zu haben, dem man nicht entkommen kann und mit dem man ringt? Ist das die Sehnsucht nach einer eigenen Geschichte, die mehr ist als die bloße Aneinanderreihung von Momenten des Glücks und Unglücks, die mehr ist als Abfolge von Ereignissen, die literarisch ist? Oder überhaupt: Der Handel um eine Rolle im Drama, und sei es eine tragische Nebenfigur, selbst um den Preis der Verdammnis? Aber da ist kein Stück, das gespielt wird, und keine Pointe, keine Katastrophe und keine Erkenntnis und Katharsis. Da ist nicht die Weltbühne, auf der gespielt wird. Da ist die Anarchie von Akteuren, die lieber verdammt sein wollen als bedeutungslos und langweilig. Da ist das Chaos von Bedeutungen und Werten, die aus dem gleichen Grund verteidigt werden, um der Literarizität des eigenen Lebens (oder wenigstens um dessen Schein). Literatur als Muster, dem eigenen Leben Bedeutung zu verleihen, eine eigene Geschichte zu schreiben, um der Wiederholung zu entgehen. Aber dann doch eingeholt von der Paradoxie des Ganzen: Verdammnis ist nichts Anderes als der Zwang, zu wiederholen oder besser: sich selbst nicht zu entkommen. Nicht dem zu entkommen, was man aus sich gemacht hat – in vollem Bewusstsein, wenn man ehrlich ist. Unbewusst, wenn man konsequent sein wollte mit seinen eigenen Illusionen.

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NYC

Der Held hat den Ameisenhaufen besucht: die dichteste, bewegsteste Stadt der Welt. - Da der Held relativistisch angehaucht ist, muss er zugeben: Die dichteste Stadt seiner Welt, d.h. der Welt, die er gesehen hat. Man hat ja nur das eigene Leben als Referenzpunkt. Die Schichten von Menschen, Haeusern, Stockwerken, Farben die Geschichten dieser Stadt. Die Uebermalungen des Gestern, die Gewalt der Konzentration auf diesen einen Punkt in der Welt, der Sog ins Innere, ein Verschlungenwerden von der Stadt, das der Held bisher nicht kannte. Von der Dichte des Lebens ueberwaeltigt, in Tagtraeumen und Delirien dahinwandelnd, irgendwo ankommen ohne noch in der Lage zu sein, etwas aufzunehmen. Das Chaos staendiger Veraenderung und Bewegung, Ueberlappung von Zeitlichkeiten und Anachronismen. Der Held muss seinen rausch ausschlafen. Gute Nacht dann.

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Die Grammatik des Spiels

Zwei Sorten des Lernens, nie fein säuberlich voneinander getrennt. Aber: unterscheidbar.
Die eine, nicht unbedingt einfachere, aber simpler zu durchschauende: tatsächlich die für die Schule. Das Lernen von Mustern zu denken. Lernen von Sprachen, von Vokabeln, von Autoren und Werken, die man "wichtig" nennt, weiß der Teufel, warum - oder der vielleicht doch am wenigsten. Lernen zu denken, wie man so schöne sagt, lernen, sich in dem Angebot an vergangenem Entstandenem und Gedachtem sinnvoll zurechtzufinden. Sinnvoll im Sinne akzeptierter Muster und Strukturen. Im Grunde geht es darum zu wissen, dass es einen Topf von Informationen, Gedanken, Ideen, Theorien, Experimenten, sogenannten "Fakten", Autoren, Künstlern, Wissenschaftlern, Werken und Texten gibt, der irgendwie verwaltet werden muss. Wissen zu verwalten geht nur gemeinschaftlich, sonst ist es ein Geheimnis. Der Beitrag des Helden: Verstehen, nach welchen Mustern diese Verwaltung geschieht, anwenden, selbst Verbingungen zwischen sich und den Elementen des Topfes produzieren (oder zumindest wissen, nach welcher Grammatik notwendige Verbindungen im Notfall (Klausur etc.) zu knüpfen sind. Gewisse "Klassiker" beherrschen, d.h. sich ins Zentrum eines anerkannten Netzes stellen, um genau zu sein: Das heilige und unantastbare Terrain jedes Faches und jeder Disziplin vermessen können. Und dann, meinetwegen, so die Forschung es denn verlangt, Fühler in unerforschte Gebiete ausstrecken, sich die Finger verbrennen und noch mal versuchen.
Eine andere Art von Lernen: wie die Welt funktioniert. Nach welchen Mustern sie zu bestimmten Zeiten und Orten denkt, und da das Ganze nich eindimensional ist: welche Grammatik auf die Verschiebungen und Überlappungen, die Un-Orte und Nicht-Zeiten, auf die Ir-Realität und den Konjunktiv anzuwenden ist. Kurz: Vergiss die Regeln des Spiels, die gelten nur solange du ein Spiel spielst. Lerne an den Tischen gleichzeitig und vor- und nachzeitig zu spielen ohne durcheinanderzukommen oder zu sterben. Ein Zug, den der Spieler irgendwann einmal gemacht hat, wird ein anderes Spiel beeinflussen, irgendwann später, auf einem anderen Brett, denn der Spieler erinnert sich an die Züge und die Konsequenzen. Die Metagrammatik aller Spiele, die real und möglich sind, die man bestreitet und bestreiten könnte. Wissen, wann Züge zu machen sind und wann auf sie zu verzichten ist. Lernen, die Welt zu spielen.

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The Bubble

Eigenartigerweise, oder vielmehr natürlicherweise ist Stadt nicht gleich Stadt: Der Held hat festgestellt, dass er in einer kleinen Zeit- und Gesellschaftskapsel lebt, fernab der Welt, die darum herum tobt. Ein bisschen isoliert, aber die Grenzen sind so unscheinbar, dass es nicht auffällt. Erst, wenn man sie bereits lange überschritten hat, stellt man fest, dass da mal was gewesen sein muss, das anders war.
Um das Allgemeine wieder auf seinen spezifischen Ausgangspunkt herunterzubrechen: Der Held ist durch die Stadt gefahren, in ferne Teile, in die er eigentlich nie einen Fuß setzen würde, denn aus der Kapsel, aus der der Held gerade kommt, tut man das nicht. Dieses "was-man-nicht-tut" hat die ungemütliche Angewohnheit, auch noch dann fremd zu erscheinen, wenn man diese Fremdheit dekonstruiert und das Ganze auf den kleinsten Nenner eines gesellschaftlich akzeptierten Verhaltens herabgebrochen hat. Würde der Held Dichter sein, könnte er sich zu der gestelzten Äußerung "es haftet ihm noch immer etwas Mystisches an" hinreißen lassen. Aber so ist das natürlich nicht wahr. Man lebt ganz einfach mit den alten Mustern und Gewohnheiten zu bewerten. Man streift die Haut nicht ab, in die man geboren wurde. Ein bisschen Tuareg-Blau auf der Haut, wenn man die Kleider abzulegen versucht.
Die Grenze: Die Distanz, die man oft aus Trägheit nicht überwindet, und dann, irgendwann, aus Gewohnheit nicht mehr. (Womit gewisse stadtliche Unterschiede zwischen Georgetown, Arlington, Maryland, Eastern Market etc. natürlich nicht geleugnet werden sollen. Aber zu einer Grenze wird das Ganze erst durch den eigenen eingeschränkten Bewegungsradius. Wir selbst ziehen unsere Grenzen. Menschen ziehen ihre kollektiven Grenzen.) Die Studenten in Georgetown leben ein bisschen in einer solchen "Bubble", wobei es da auch wieder einige Abstufungen gibt: "On Campus", der innere Zirkel, der sich oft nicht die Mühe macht, 15 Minuten zum Haus des Helden zu gehen, weil so weit weg. "Walking distance", wozu der Held gehört, der jeden Morgen eben jene 15 Minuten zur Uni stiefelt und sich ab und zu einfach so rauswagt, und zu besonderen Anlässen sowieso. Immer noch ein Blasenbewohner. "Grenzländer", die am Rand von Georgetown wohnen oder gerade dort, wo man schon den Bus nehmen muss. Sie sind dem Helden die interessanteste Spezies, vielleicht auch nur deshalb, weil sie an einem Ort leben, an dem der Held es interessanter findet und wo er sich vorstellt, die meiste Freiheit zu haben. (Freiheit ist auch Abwesenheit von Trägheit.) Und dann: Diejenigen, die "draußen" wohnen, die eigentlich woanders leben und nur zur Uni kommen, wenn oder weil sie müssen, deren Leben aber allein durch die Distanz zu diesem "Zwangsort" (nicht negativ gemeint, aber man ist immer an den einen oder anderen Ort gezwungen, von Lehrern, Arbeitgebern, Familie oder eigener Neurose) schon wieder ganz anders aussieht. Weiter, zumindest aus Sicht eines "in walking distance" Wohnenden. - Nach dieser Kurzanalyse konzentrischer Wohn- und Lebenskreise die Frage: wozu? Keine Antwort, die eine logische und befriedigende Lösung wäre, aber der leise Verdacht, dass der Held sich in Zukunft aussuchen wird, in Distanz zu seinen "Zwangsorten" zu leben. Denn: Es gibt ein Leben außerhalb. Wäre der Held altmodisch und würde er klischeehafte Wendungen akzeptieren, würde er das den "Zwang, über den Tellerrand hinauszusehen" nennen. Aber der Held wohnt in der Bubble.

2 Kommentare 10.11.06 21:46, kommentieren

Lady Transylvania und der Regen

Abriss der letzten Nächte: Draußen wird es dunkel, Alex versammelt die 50 eigenen kleinen Spaltpersonen vor dem Spiegel und bittet sie, doch heute mal zusammezuarbeiten, um recht schaurig auszusehen. Umgezogen in schwarz, painted black vom Scheitel bis zu sohle (naja, der Scheitel wird weiß gefärbt), in meterweise halbdurchsichtigem schwarzem Stoff, Handschuhe, wie es sich für tanssylvanisches Geblüt gehört, Augen und Lippen schwarz, in die Nacht getaucht - paradoxerweise Bus gefahren. Aber man lebt in der Moderne, da kommen Unstimmigkeiten schon mal vor. Versammelt kommt Dacula in Adams Morgan an, wo Piraten, Priester und Ghuls ihren Weg teilen werden. Das Übliche (reingehen, was zu trinken holen, rumstehen und reden, für outfit loben, tanzen, überlegen, wann der Bus kommt, verabschieden, rausgehen - die Gewöhnlichkeit sich ständig wiederholender Aktionen, die man in der Postmoderne "ausgehen - für Anfänger" nennt. Fortgeschrittene beenden den Abend nicht an dieser Stelle, sondern treffen neue Menschen, mit denen sie weiterziehen, mit denen sie nach Hause gehen, von Brücken springen oder Leute anzünden.) Dann: Der Schritt in die Nacht zurück, aus der gekommen, zurück in die wohlige schattige Umgebung des Ich, das sich darin auflösen kann.
Unstimmigkeiten der Moderne: Über den verpassten Bus geärgert. Dracula sollte einfach die Verwandlung in die Fledermaus beherrschen. Aber Perfektion ist von gestern. Bzw. von Fiktion. Durch die Nacht gelaufen, durch den Regen, der alles durchnässte, durch schwarzen Regen, der auf der Haut, in der Luft, in der Lunge war, der das Gesicht wieder lebendig wusch, die weiße Farbe weg, und als dann eine Stunde später angekommen, wieder unter den Lebenden weilend. Prinzipiell zumindest.
Die Nacht danach (gestern Nacht): Gleiches Prinzip, Variation. Diesmal keine Bar, sondern ein großes Haus, das Piano mit Spinnweben verkleidet, Raben auf dem Kamin und Beile unter die Kronleuchter gehängt. Erhängte Skelette an den Wänden. Riesig groß. Untote, Ghuls, Dämonen und Geister überall. Aber die können dem Helden nichts tun, heute Nacht gehört er zu ihnen. (Dann wieder das Übliche.) Dann: Schritt hinaus in die Nacht, Erlösung vom Zwang, ein Mensch zu sein, oder besser: sich so aufführen zu müssen. Irgendwann der Bus, die Reise zurück, durch die glitzernde Stadt (ein altes Wort, aber die Stadt glitzert jede Nacht neu, erleuchtet, Wegweiser im Dunkeln, ohne dass dafür jedes Mal neue Worte zu finden wären.)
Genug Geister vertrieden, wobei - jetzt wird geschlafen, lassen wir die Geister doch wieder herein. Morgen verziehen sie sich sowieso, wie der Nebel vor dem Haus.

29.10.06 15:21, kommentieren

Konjunktiv

Was tun wir bloß mit der Zeit, die uns fehlt? Der Held füllt sie mit Konjunktiven und einem zweiten Leben. Das macht die Wirklichkeit nicht besser, aber lässt sie anders aussehen. Frage des SInns eines Blog, der mit solchen Anmerkungen gefüllt ist, schleicht sich ein.

25.10.06 00:00, kommentieren

Der Name des Helden

Festgestellt: Der Held ist unbenannt. Was tun wir bloß damit... Da zeigt sich das Problem: Wählen wir einen weiblichen oder männlichen Namen? Um dem Dilemma aus dem Weg zu gehen, weiterhin vom Helden zu sprechen und ihn ab und zu Maria nennen zu müssen, wählen wir neutraleren Boden. Alex Quest - schließt nicht aus, dass es sich auch um eine Suchende handelt. Aber das ist schon fast wieder zu viel mit den Vorbildern gespielt.
Wir könnten uns auch einen Lady-Helden vorstellen, aber was tun damit, mit der Vergangenheit? Kann man eine andere Geschichte schreiben, kann man Geschichte verändern, selbst eine fiktive? Vielleicht, wenn man nur konsequent genug Dinge ändert? Aber mit der KOnsequenz hat es sowieso nicht so viel auf sich. Lücken im Gedächtnis, Lücken im Menschen, Lücken in der Welt. Wir versuchen sowieso zu sehr, sie mit Sinn zu füllen.
Dabei doch gerade eben in die zweite Falle menschlichen Handeln getappt, die sich hier auftut: Wenn man die Leere zwischen den Dingen nicht mit Sinn füllen kann oder will, ist man dennoch gezwungen, um der Glaubwürdigkeit willen - oder wenigstens, um nicht zugrunde zu gehen - das jetzige Handeln der Vergangenheit anzupassen. Die Vergangenhiet erfordert einen Helden. Und ich kann ihm nicht meinen Namen geben. Ich könnte die Geschichte ändern, die ich begonnen habe zu erzählen. Ich könnte eine Pseudo-Geschichte daraus machen, aber wo ist dann der Unterschied zu jetzt? Der Held ist Attrappe, aber ich kann ihn nicht ändern. Einmal benannt, und wenn auch nur umschrieben in seinen Handlungen, lässt er sich nicht wegdenken.
Wir kategorisieren das, wofür wir Namen haben, und wir tun es, weil wir Namen haben. Wir müssen die Schubladen benennen, in die wir unsere Welt teilen. Der Held sammelt Schubladen. Oder wir könnten sein Handeln auch anders nennen. Er vertauscht die Schilder der Schubladen und die Wegweiser. Aber vertaushcen kann er erst nur, weil er weiß, was darin ist, und weil er den konstruierten Sinn hinter der Schubladierung der Welt, der Welt durch Sprache verstanden hat. Er kann nichts ändern, was er nicht begreift, ohne wahllos zu sein. Falle. Begreifen udn Wahllosigkeit als Kategorien des Denkens. Wäre vielleicht besser, ohne Sprache geboren zu sein. Aber dann hätte es auch keinen Sinn, hier zu sein. Oder Namen zu tragen. Wir könnten irgendetwas verlauten lassen ohne uns zu verstehen. Uns verstehen. Auch eine Kategorie.
Die Äußerung mancher Personen doch wahr, dass die Dinge Wirklichkeit werden, wenn man sie ausspricht. Nicht, weil wir das Latente in Worte fassen und ans Tageslicht fördern - sondern weil wir denken, es muss schon was dran sein, wenn man sich bemüht, es in Worte zu fassen. Was andere denken, wird zu unserem Denken. Geteilte Bedeutung wird zu unserer Bedeutung. Haben uns daran gewöhnt, das Spiel um Anerkennung des Ich. Macht A. denken, es handelte sich kaum um eine Welt.
Aber dieser Zweifel an der Welt, weil klargeworden, dass es sich um konstruiert Kategorien handelt, wird nicht lange andauern können. Der Held wird sich darüber klar werden, dass er etwas zu verlieren hat. Konstrukt hin oder her, Wahrheit ist auch nur ein Konzept. In Dialog mit der Welt getreten ist er schon. Er kann sich den Namen nicht mehr abschreiben oder die Sprache verlieren. Entweder antwortet er und spielt nach den Regeln oder wenigstens mit den Regeln - aber dazu muss er sie verstanden haben - oder er vergisst, dass auch eine konstruierte Welt eine tatsächliche ist. Wert entsteht, wenn Menschen so tun als ob. Authentizität eine Kategorie, die nicht ihren letzten Ansprüchen gerecht wird. Aber immerhin einigen ihrer Schöpfer.

24.10.06 23:48, kommentieren

European Lunge Party with German Feuerzangenbowle

Gestern also die Party. Möchte man an anderer Stelle als Geniestreich bezeichnen, wenn man arrogant wäre. Die Mitbewohner in 1648 (der Held hat sich sehr schnell mit der Tatsache anfreunden können, daß seine Hausnummer gleichzeitig eine wichtige Jahreszahl der Geschichte ist, so kann er sie sich leicht merken) - 1648 also, was von nun an stellvertretend für das Haus bzw. seine Bewohner zu lesen ist, hat sich endlich dazu zusammengefunden, das Haus belebt zu machen. Einzuweihen, sozusagen. Alles bisher, auch nach zwei Monaten, immer noch sehr karg, aber langsam fuellt es sich mit Bewohnbarkeit und Lebendigkeit, Stück für Stück... Die Zimmer sind so groß, dass bisher niemand gewagt hat, sie zu beleben, vielleicht aus Angst, sich zu verlieren. - 1648 hat ein Sofa gekauft, rotes Papier um die Lampen gewickelt und Teppiche ausgelegt. Von draußen könnte man das Ganze auch in St. Pauli verorten statt in Washington.
Auswirkungen des Networking: Multinationale und über alle Ecken miteinander bekannte Gäste, die sich an französischen Quiches, spanischen Flans, deutscher Feuerzangenbowle etc. gütlich tun.

1 Kommentar 22.10.06 11:28, kommentieren

Schwarze Muffins für Internationale Party

Muffins, Amerikanisch gemacht: Backmischung gekauft, Eier und Öl bereitgestellt. Alles zusammengeschüttet in einem High-Tech-Mixer, in Förmchen gefüllt. Nächste Portion. Lemon Poppy und Cinnamon Streusel. Dann vor sehr internationalem Problem gestanden: Ofen wird furchtbar heiß, alles rabenschwarz verkohlt, aber das machts ncihts, heute Abend, für die Party, ist das OK. Da ist es dunkel, Menschen betrinken sich und achten hoffentlich nciht auf das, was sie essen. Naja, theoretisch.
Aber ein Held muss nicht backen können. Vielleicht sollte ich anfangen, backen zu lassen. Aber das regelt auch das Problem mit dem Ofen nicht. MAn wird sich nach einem anderen Ofen umsehen müssen.
Ansonsten: Geruhsamer Tag für den Helden. Er bereitet sich mental auf die Feier am Abend vor, die protzig 'International Lounge-Party with German Feuerzangenbowle' getauft wurde, mit Schwarzweißfoto von Heinz Rühmann versehen, Leute eingeladen, auf Englisch versucht zu erklären, was eine Feuerzangenbowle ist. Dann Muffins verhauen. Und jetzt die geistige Vorbereitung auf die Party: Der Held muss schlafen.

21.10.06 22:12, kommentieren

Die Menschen, mit denen man wohnt

Der Held kann sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass seine Mitbewohner wahnsinnig sind - nein, falsch: gelangweilt. Wir müssen das Ganze weiter einschränken: Eine Mitbewohnerin ist gelangweilt. Und bei dieser Diagnose geht es gar nicht mal darum, herauszufinden, ob besagte Wohngefährten den üblichen Oberflächenansprüchen von möglichst interessantem und beschäftigtem Leben entsprechen, das sie führen und das stets ein Gesprächsthema ist, wenn sonst nichts gesagt wird. Es geht nicht um die Person, die man langweilig finden könnte. Vielmehr drängt sich die Gewissheit auf, sie ist von sich, von ihrem Leben gelagweilt. Nun, das betrifft nicht wirklich andere, macht die Sache aber auch nicht besser. Die Frage schließt sich an, ob die Umstände oder das Selbst Verschulden an der Sache tragen - geht aber zu weit und greift zu kurz zugleich, die Frage.

18.10.06 14:00, kommentieren